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D 1. D vermittelt den dünnen und scharfen laut T mit dem gehauchten TH. es nimmt in dem griechischlateinischen alphabet den vierten platz ein zwischen Γ und Ε oder C und E: in dem nur aus sechzehn buchstaben bestehenden altrunischen, das eine eigene sehr verschiedene ordnung hat, kommt es nicht vor, da ihm Þ und T genügt; jenes hat die dritte stelle, aber zwischen U und O. dasz unter Þ nur die aspirata gemeint sei, ergibt sich aus den namen þurs und þorn. indessen hat D in der gothischen, althochd., nordischen und angelsächsischen sprache, soweit die denkmäler reichen, niemals gefehlt, zumal die media der mittelpunct des consonantismus ist: dem engern runenalphabet genügte die bezeichnung der zwei entgegengesetzten laute. das gröszere runenalphabet hat aber ein zeichen für die media zugefügt: in dem nordischen besteht es aus einem punctierten T (), in dem angelsächsischen nicht eben geschickt aus zwei gegeneinandergekehrten Þ (). da die ahd. sprache das gothische Þ aufgegeben hatte und dafür D setzte, mithin durs und dorn zu schreiben war, so entstand in dem deutschen runenalphabet ein misverhältnis bei der rune Þ: man behielt entweder das zeichen bei, setzte aber dorn hinzu, liesz sie also für die media gelten, wie in dem Sangaller alphabet (Deutsche runen taf. 2), oder man nahm das spätere zeichen , wobei dann der name durs oder dorn hätte lauten müssen, schrieb aber, für diese zeit unrichtig, thorn (taf. 1). 2. die abstufung der laute hat sich bei den lingualen fester erhalten als bei den andern stummen consonanten. die lautverschiebung stellt sich folgendergestalt dar, med. ten. asp. griech. D T TH goth. T Þ D ahd. Z D(DH) T. wir haben es hier nur mit der media zu thun. das mhd. behielt im anlaut und inlaut die ahd. regel bei, wandelte dagegen im auslaut, wo sie keine media duldete, D in T. im nhd. kam die auslautende media wieder zum vorschein. wir müssen dies verhältnis und die einzelnen abweichungen davon näher betrachten. 3. während im ganzen der mhd. unterschied des anlautenden D und T im nhd. festgehalten wird, zeigt sich doch in einzelnen fällen ein D für T oder ein schwanken zwischen beiden, auf welches das niederd. mag eingewirkt haben. man schreibt docht und tocht, wie im ahd. und mhd. dâht und tâht ellychnium vorkommt. heute gilt dichten, dunkel, wie schon bei Dasyp. 314c. 242a, während Luther noch tichten tunkel beibehielt. Maaler tunkel 411c, aber dichten 89c. Simpliciss. noch tumm 1, 23. 27, sogar noch bei Bodmer, Breitinger, aber schon bei Dasypod. dumm für das mhd. tump. ebenso allgemein düngen für das mhd. tungen. man schreibt dätschelen und tetschelen, delben und telben, dengelen und tengelen, deutsch und teutsch, dälle und telle, dappe und tappe, danten und tanten, dadern und tadern, dauern und tauern u. s. w. dieses schwanken begann schon im 14ten jahrhundert, in der Theologia deutsch ist vordilgen neben vertilgen s. 70 zu bemerken, wie auch Keisersberg Bilger 48a uszdilcken schreibt. es steigerte sich vom 15ten bis zum 17ten, wo die regel wieder zum vorschein kam. bei Brant, der den übergang des 15ten in das 16te macht, tritt es am deutlichsten hervor; es wird am besten sein aus dem Narrenschiff, von welchem wir in Zarnkes ausgabe einen sichern text besitzen, beispiele zu wählen. bei einigen wörtern braucht er D allein, bei andern zieht er es vor. dapfer 13, 17. 73, 26. 77, 75. dapferlich 5, 21. dag neben tag 88, 21. 112, 25. danz 61, 2. 6. 26. 33. 34. 72, 11. vordanz 72, 33. 85, 92. danzen 61, α. 19. 21. 27. 85, 89. däsch (tasche) 80, 19. deilt 85, 81 und uszteilen 103, 48. deller 100, 11. 28 und teller 110a, 85. 130. 140. disch 69, 26. 71, 15. dor 85, 45. 111, 1. 52. doren 52, 10. 82, 63. 85, 11. dorheit 47, a. 67, 50. 80, 2. 85, 119. 111, 15 und tor 46, 27. 66, 118. torheit 100, 23. 104, 18. dot 5, 7. 56, 69. 66, 103. 72, 7. 85, 4. 14. 24. 35. 41. 51. 53. 75. 94, 4. 5. dotschlag 56, 64. dotsprung 85, 31 und todt 83, 98. todes strick 83, 109. tötlich 85,

quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm